FIA-Rallye-Pyramide: Prachtbau oder Turmbau zu Babel?

Diskusionen zum Thema Rallye und Rallyesprint Veranstaltungen

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Andi Lugauer
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Re: FIA-Rallye-Pyramide: Prachtbau oder Turmbau zu Babel?

Beitrag von Andi Lugauer » So Mär 22, 2020 20:06

EWO hat geschrieben:
So Mär 22, 2020 19:10
Welches Ziel verfolgt du denn konkret?
Das kann ich Dir (ich hoffe, ich darf "Du" sagen) gerne beantworten. Ich verfolge konkret das Ziel, daß der Rallyesport national wie international aufgewertet wird, bzw. attraktiver wird (konkrete Details: siehe Unten). Und daß man darüber fair kommunizieren kann. Wie überhaupt Fairneß und Gerechtigkeit wichtige Herzensanliegen von mir sind, so wie das Motorsportliche an sich.
EWO hat geschrieben:
So Mär 22, 2020 19:10
Stört dich etwas konkret deinem Hobby nachzugehen?
Ja, das kann man sagen.

Wo soll ich eigentlich jetzt anfangen?

Eigentlich sollte aufgrund meiner bisherigen Schilderungen schon Vieles klar sein.

Probieren wir es so: Wenn dir oft schon nach dem dritten, vierten Fahrer das Gesicht einschläft, wenn du direkt neben einer Kurve bei einer Rallye stehst, dann ist es, ganz einfach ausgedrückt, langweilig. Und das muß gar nicht immer am Fahrer liegen. Oder am Auto. Oft auch an der Strecke.

So viel zu den direkten, unmittelbaren Eindrücken als Besucher.

Mir gefällt auch die gesamte Entwicklung nicht, die die Rallye-Weltmeisterschaft in den letzten - sagen wir einmal - fünfzehn Jahren durchlaufen hat. Zwei (!!!) verschiedene Weltmeister in 15 Jahren: Da muß doch selbst dem einfältigsten Rallye-Beobachter klar sein, daß da Irgendetwas verkehrt läuft. Ich sage: Es kriselt bei vielen Dingen. Angefangen bei den Aufstiegsmöglichkeiten für talentierte, vorzugsweise jugendliche Neueinsteiger, über die Gestaltung des Reglements (die nur eine bestimmte Art von Fahrzeugen und damit nur eine beschränkte Zahl an Mitbewerbern zuläßt) bis hin zu den Vorgaben bei den Rallyes (kurz und kein Untergrundwechsel), die zu lauter hochgezüchteten, überteuerten Rallyewagen führt (die dadurch für's Publikum nicht unbedingt reizvoller sind).

Daß die Rallyewagen aus aktueller Produktion viel zu teuer sind (auch Rally 4 u.Ä. ist schon relativ kostenintensiv, bei Rally 5 könnte man erst recht sparen), und daß es viel zu wenige verschiedene Fabrikate gibt, merkt man aber vor Allem im nationalen Rallyesport. Und da vor Allem im deutschsprachigen Gebiet.

Ich habe halt lieber die Rallyes gemocht, wo vom Porsche über Mittelklasse-Limousinen wie dem Escort oder dem Opel Ascona bis hin zum Corolla oder Golf jedes Auto mitgefahren ist - und größtenteils auch konkurrenzfähig war. Das könnten wir in abgewandelter Form auch heute haben. Der Einheitsbrei von jetzt, wo die Autos sich immer weniger voneinander unterscheiden: Das ist nicht meine Welt. Kurz gesagt.

Aber je abwechslungsreicher, actionreicher und farbenprächtiger die Rallyes sind, umso mehr Menschen werden sich dafür begeistern. Schon von den untersten Stufen weg. Dann gibt es mehr Berichterstattung, mehr Sponsoren, mehr coole und talentierte Typen können bei ihrem Ein- und Aufstieg unterstützt werden...es wird wieder noch spannender und prickelnder...Eines bedingt das Andere. Auch Veranstalter bekommen mehr flüssige Mittel, die sie nutzbringend einsetzen können, etwa, um Genehmigungen für spektakulärere und stärker fordernde Strecken zu bekommen...und so weiter.

"Back to the Roots" bei ein paar Dingen wäre keineswegs ein Rückschritt. Sondern sogar ein großer Sprung nach vorne!

Vielleicht ist jetzt Manches ein wenig klarer, ich würde mich freuen.

Für Fragen stehe ich natürlich weiterhin sehr gerne zur Verfügung. Jeder konstruktive Beitrag freut mich sowieso.
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EWO
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Re: FIA-Rallye-Pyramide: Prachtbau oder Turmbau zu Babel?

Beitrag von EWO » Mo Mär 23, 2020 16:24

Du fährst nicht selbst?

Andi Lugauer
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Re: FIA-Rallye-Pyramide: Prachtbau oder Turmbau zu Babel?

Beitrag von Andi Lugauer » Mo Mär 23, 2020 19:27

EWO hat geschrieben:
Mo Mär 23, 2020 16:24
Du fährst nicht selbst?
Äääh, ja, das kann man sagen. Ich bin selbst kein Rallye-Teilnehmer (und noch nie einer gewesen).

Ganz nüchtern gesagt: Um auf so einem spezifischen Gebiet wie dem Rallyesport eine einigermaßen gute Figur abzugeben, und das noch halbwegs risikofrei, braucht man das entsprechende Können. Ein Naturtalent, das ich nicht habe. Auch ist eine gute Kapitalstärke, bzw. eine Familie, die bereit und fähig ist, die Mittel für Rallye-Einsätze aufzustellen, von großem Vorteil. Da hätte ich auch ins Rohr geschaut, selbst mit viel Fahrzeugbeherrschung. Gerade als ich jung war, war es in unserem Land nicht möglich, mit irgendeinem Karren Rallye zu fahren, der einem gefällt und günstig zu erwerben ist, wenn er keine Homologation hatte und/oder schon etwas älter war.

Meine Bemühungen gehen eher in die Richtung, Menschen zu helfen, die die Fähigkeiten für Rallye-Einsätze mitbringen. Je besser einer als Fahrer ist und je bescheidener seine Mittel trotzdem sind, umso höher ist meine Motivation, zu helfen. Das kommt ja auch mir zugute, denn ich will ja etwas erleben, wenn ich einer Rallye beiwohne. Was glaubt Ihr, wie ich mich gefreut habe, als Harald Demuth im Jahr 1994 mit dem Mercedes von Reinhold Fricker lautstark durch den Langauer Forst gedriftet ist, oder als zwei Jahre später Gerhard Bufler einen Skoda Favorit auf Grottendorf zu einer drittschnellsten Gesamt-WP-Zeit getrieben hat? Das ging Alles mit auf mein Konto, denn ohne meinen Einsatz - ohne mich selber beweihräuchern zu wollen - hätten die Männer Seifenkistenrennen fahren können. Da könnt Ihr bei kompetenter Stelle nachfragen.

Solche persönliche Erfolge sind mir seither nicht mehr gelungen. Ich versuche halt noch, im kleinen Rahmen meinen Beitrag zu leisten. Etwa mit Presseinformationen für bestimmte interessierte Teilnehmer, die teilweise von den einschlägigen Fachmedien aufgegriffen werden. Aber ich habe auch noch ein persönliches Projekt am Laufen, vielleicht - wenn das vollendet ist - hat das auch eine gewisse Wirkung.

Daneben, wie Ihr schon bemerkt habt, bin ich auch ein bißchen ein Lobbyist für Sport-, Zuseher- und Sponsorenfreundliche Reglements.

Vielleicht ist jetzt mein Bestreben noch ein wenig klarer nachvollziehbar.
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MartinGSI
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Re: FIA-Rallye-Pyramide: Prachtbau oder Turmbau zu Babel?

Beitrag von MartinGSI » Di Mär 24, 2020 10:10

Das Problem ist ja leider, das die die es entscheiden einen Dreck auf die Meinung von "kleinen" Fahrern geben.

Das unterste Einstiegs Level um international Rallye liegt aktuell bei ca 50t€. ABER das ist nur die Halbe Wahrheit. Denn die Homologierten Fahrzeuge ziehen immer einen riesigen (kosten) Schwanz hinter sich her. Den für die Revisionskosten dieser Fahrzeuge bauen andere (für nationale Einsätze) ganze Autos. Und das jedes Jahr!
Natürlich ist ein sequenzielles Sadev etwas ganz lustiges (durfte sowas leider bisher nur im Slalom testen). Aber ob so etwas für einen "Einsteiger" sein muss ist die Andere Frage. Man kann es ja erlauben. Aber warum ist so ein Getriebe für Einsteiger PFLICHT?

Worauf der Andi (so verstehe ich es zumindest) raus will, ist die FIA bzw den DMSB zu nötigen das enge "Korsett" des Reglements aufzubrechen um mehr Vielfalt und einen günstigeren Einstieg zu ermöglichen um so den Sport an sich und auch das "Sportliche Talent" mehr in den Fokus zu rücken.
Wie geil war es als ein Ford Taunus und ein MINI in der selben Rallye gefahren sind. Schiff gegen Hutschachtel. Beides hat seinen Reiz. Der Witz wäre auch, das so seriensiege extrem unwahrscheinlich wären, da ja jedes Fahrzeugkonzept vor und Nachteile hat! Somit würde auch die Attraktivität für Zuschauer und somit auch für Hersteller steigen. Aber auch der Werks- Homologationszwang ist idiotisch. Wenn man sich an die "großen" Schritte vieler Fahrer erinnert, dann waren das oft "Privat" Aufgebaute Fahrzeuge. Der erste Subaru Legacy. Der erste Impreza. E30 M3 Rallye. Mercedes 190 .2.3 16v. usw. Alles "privat" aufgebaut und bei den Fans gestern und heute extrem beliebt und teils auch extrem erfolgreich. Warum lässt man das nicht mehr zu?

Natürlich. Motorsport kostet Geld (mir wurde auch 20 Jahre lang erklärt das ich mir das NIEMALS leisten kann, bis ich es einfach gemacht habe). Aber warum muss es denn immer mehr werden.
Rallyesport war in den 80ern BELIEBTER als die Formel 1. Klar das Leute die sich an diese Zeit noch erinnern gerne diesen "Glanz" zurück bringen wollen.

Ich bin selbst jemand der den Rallyesport liebt. Und es wäre einfach besser für den Sport wenn das Talent der Besatzung wieder wichtiger werden würde und nicht nur die Höhe des Vermögens.
Ich bin es selbst gewohnt (sowohl im Slalom als auch auf der Rallye) gegen überlegenes Material anzutreten. Leider reicht mein Talent nur selten dafür, meine Gegner Trotzdem zu schlagen. Aber wenns klappt. Freu ich mich dafür um so mehr!

Ich würde es toll finden wenn man dies auch in Paris erkennen würde und so zumindest den einstieg mit sehr einfachen (und kostengünstigen) Autos ermöglichen würde um wieder eine Breite ins Starter Feld zu bringen. Denn sind wir ehrlich. ein WM lauf mit 40 Startern ist einfach traurig. Da würden "junge Talente" und auch ein paar "nationale alte Hasen" sicher gerne etwas im Feld mitmischen!
Das Leben ist zu Kurz um vernünftig zu sein!

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EWO
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Re: FIA-Rallye-Pyramide: Prachtbau oder Turmbau zu Babel?

Beitrag von EWO » Di Mär 24, 2020 15:10

Verstanden.
Danke für die Ausführungen.
Lobbyarbeit für die Motorsportbasis kommt bei uns viel zu kurz.
Vor Jahren hätte ich da mehr Engagement vom DSK erwartet, der ja genau dadurch das er viele wirklivch aktive Mitglieder hat eine ideale Gruppierung dafür wäre, aber auch dort geht es leider, jedes Jahr mehr werdend, viel zu sehr vereinsmäßig zu und ich frage mich fast jedes Jahr warum ich noch MItglied bin.
Einzig das SPORT-Auto Abo ist der einzig sichtbare Gegenwert für mich.
Dennoch ist allen Rallyfahrern mittlerweile bewußt, dass unsere Kopfverbände den Sport tot gemacht haben in den letzten 10 Jahren.
Ob das noch umkehrbar ist.... ich habe da meine Zweifel.

MartinGSI
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Re: FIA-Rallye-Pyramide: Prachtbau oder Turmbau zu Babel?

Beitrag von MartinGSI » Di Mär 24, 2020 19:34

@ewo: Ich alleine werde sicherlich nichts daran ändern. Andi auch nicht. Aber die kleine Hoffnung besteht, wenn sich die "Motorsport Gemeinschaft" gemeinsam für bezahlbaren, sicheren und fairen Motorsport einsetzen, das die hohen Herren dies vielleicht bei der ein oder anderen Entscheidung berücksichtigen.
Mehr als eine Hoffnung ist das nicht. Das ist mir klar.
Nur liebe ich den Motorsport viel zu sehr, als das ich die Hoffnung aufgeben könnte!

Ich kann dir heute noch genau den Kurs meines allerersten Slaloms (auch meine erste Motorsport Erfahrung überhaupt) 2006 vorsagen. Das hat sich eingebrannt.

btw. Der DSK ist leider (zumindest im Bereich Rallye) leider nicht gewillt dem DMSB oder der FIA auch nur ansatzweise zu widersprechen. Da wird leider alles Akzeptiert und ungeprüft für gut befunden was aus Frankfurt oder Paris kommt. Leider!
Das Leben ist zu Kurz um vernünftig zu sein!

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Re: FIA-Rallye-Pyramide: Prachtbau oder Turmbau zu Babel?

Beitrag von Andi Lugauer » Di Mär 24, 2020 19:48

MartinGSI hat geschrieben:
Di Mär 24, 2020 10:10
Worauf der Andi (so verstehe ich es zumindest) raus will, ist die FIA bzw den DMSB zu nötigen das enge "Korsett" des Reglements aufzubrechen um mehr Vielfalt und einen günstigeren Einstieg zu ermöglichen um so den Sport an sich und auch das "Sportliche Talent" mehr in den Fokus zu rücken.
Genau so ist es. Alles, was Du aufgezählt und beschrieben hast: Das ist das, was ich meine. :-D

Es wäre oder ist aber traurig, wenn man eine zugegebenermaßen wichtige Institution, die den Rahmen für die sportliche Praxis gestaltet und wo man erwartet, daß sie das möglichst sinnvoll tut, dazu "nötigen'" muß, kluge Schritte zu setzen.
EWO hat geschrieben:
Di Mär 24, 2020 15:10
Danke für die Ausführungen.
Lobbyarbeit für die Motorsportbasis kommt bei uns viel zu kurz.
Ich sehe, die Botschaft ist nun endgültig angekommen. Wir reden von der gleichen Sache.

Nun will ich die Stichwörter aufgreifen "Kopfverbände haben den Sport tot gemacht" und "Ob das noch umkehrbar ist...zweifelhaft" (so sinngemäß). Gestattet mir da doch einmal die naive Frage: Sollte eine Organisation, die die Regeln für eine Sportart kreiert, nicht von sich aus darauf achten, daß sie dabei konsensual und ergebnisorientiert agiert? Sprich: Daß sie bestmöglich im Interesse der Mitglieder handelt, die sie vertritt? Irgendwie ist das ja ein Auftrag der zahlenden Mitglieder. Und auch das generelle Ansehen in der breiten Öffentlichkeit, vor Allem seitens der begeisterten Motorsport-Anhänger und da wiederum vor Allem seitens der aktiven Teilnehmer, sollte den Reglement-Machern (ich nenne es einmal so) ein Anliegen sein. Zählt das Alles nichts?

Natürlich muß man zwischen der internationalen und den nationalen Motorsport-Körperschaften differenzieren. Sehr Vieles geht von der zentralen obersten Stelle in Frankreich, der FIA, aus. Einen beträchtlichen Teil davon (die Rallye-Pyramide, von der hier ursprünglich die Rede war) müssen die nationalen Sporthoheiten wie DMSB oder AMF (Österreich; früher OSK) übernehmen. Ein gewisser Spielraum besteht dennoch, ergänzend eigene nationale Regelungen zu schaffen. Sonst gäbe es solche Dinge wie die starken GT-Porsches, die Gruppe G (Deutschland) oder die M1 Rallye Masters nicht. Nun muß man sich zum Einen fragen: Ist es nicht prinzipiell möglich, bei der FIA dafür zu intervenieren, daß sie den international gültigen Standard so weit modifiziert, daß wieder mehr unterschiedliche Rallyewagen für eine Teilnahme (und letztlich auch Homologation) in Betracht kommen? Das wäre praktisch quer durch alle Kategorien angebracht.

Und wenn da nichts geht (quasi der Plan B): Wo macht es Sinn, den FIA-Fahrplan beim Reglement zu verlassen und Wagenkategorien abseits davon zu schaffen? Oder das Bestehende abzuwandeln? Wäre da vielleicht auch eine länderübergreifende Zusammenarbeit sinnvoll? (Aus meiner Sicht ja.) Wo besteht da überall ein Bedarf, der durch die aktuellen Regelungen nicht abgedeckt ist? Machen vielleicht auch schon schlichte Umstrukturierungen in der Zuordnung der Kategorien Sinn? (Ein Anliegen von mir ist es ja, möglichst viele gleichwertige Wagen in einer Wertung zusammenzufassen, anstatt daß es -zig Einzelwertungen gibt, auf die Keiner achtet, weil Alles zu sehr aufgesplittert ist und daher die einzelnen Klassen nur eine Handvoll Teilnehmer haben, die gegeneinander konkurrieren.)

Ich habe mich bemüht, hiermit die wesentlichen Kriterien möglichst kompakt zusammenzufassen. Damit wir zumindest in groben Zügen überhaupt wissen, worüber wir reden. Leider ist es bei einem so vielschichtigen Thema schwierig, sich auf wenige Sätze zu beschränken. Vielleicht ist es mir trotzdem gelungen, die Ausgangsposition einigermaßen klar darzustellen, und man kann darauf für alle weiteren Überlegungen aufbauen.

Ein paar Sportler (je mehr, umso besser) dürfen sich gerne zu Wort melden. Denn die betrifft es ja direkt. Auch für Veranstalter sind die Verhältnisse in dieser Sache nicht unwesentlich, denke ich mal.

Übrigens: Danke an Alle, die bisher schon aktiv an der Diskussion mitgemacht haben. :-D
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Re: FIA-Rallye-Pyramide: Prachtbau oder Turmbau zu Babel?

Beitrag von Sportfahrer » Mi Mär 25, 2020 05:50

Moin,

vorab, den Kopf in den Sand stecken ist nicht mein Ding.
Als ich aber im Zuge der Abschaffung der Gruppe H im Rallyesport gesehen habe,
wie wenig die Gruppe H Fahrzeugbesitzer und Lobbyisten ausrichten konnten,
wurde mir klar wieviel die Meinungen und die Interessen der kleinen Leute an der
Basis des echten Breitensports (ich meine nicht den Breitensport wie ihn Herr Stuck definierte)
wert sind. Hut ab vor Leuten die diesen Kampf gegen Windmühlen aufnehmen.
Gruß Dirk (Hey Mädels ich kann Deutsche Meister zeugen)


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Re: FIA-Rallye-Pyramide: Prachtbau oder Turmbau zu Babel?

Beitrag von Hans Bauer » Mi Mär 25, 2020 12:16

Hallo liebe Motorsportkollegen,

ich freue mich sehr darüber, dass wir nun in diesem Thread, eine doch sehr menschliche Art gefunden haben, diese für den Breitensport sehr

wichtigen Themen miteinander zu diskutieren.

Sehr interessant ist dabei die Tatsache, dass diese Probleme keineswegs nur den Rallyesport betreffen.

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass auch auf der Rundstrecke mal ein ganz anders Niveau vorhanden war.

Da konnte man mit einem Steyr Puch, einem NSU TT und ähnlichen Fahrzeugen noch erfolgreich an Meisterschaften teilnehmen.

Und so war ja auch Siegfried Spiess 1963 und 1965 Deutscher Meister im Bergrennsport.

Ich engagierte mich nun schon seit Mitte der 80ziger Jahre ehrenamtlich im Motorsport.

Nach 35 Jahren im Vorstandschaft in Ortsclubs und der Mitgliedschaft in Sportausschüssen von ADAC, ONS und DMSB kann ich euch sagen,

dass es der Breitensport und damit die finanzierbare Basis des Motorsports noch nie einfach hatten und den "Herrschaften" in den "höheren Etagen"

schon immer am "Allerwertesten" vorbei ging.

Diese unwiderrufbare Tatsache hat mich auch dazu erwogen nach 35 Jahren mein Engagement in allen Bereichen zu beenden.

Irgendwann hat man keine Kraft mehr immer wieder vergeblich gegen diese mächtigen Lobbyismus gesteuerten Mühlenräder anzukämpfen.

Bitte nicht falsch verstehen, es ist gut das es diese Kämpfer für den Basis-Sport gegeben hat und weiterhin geben wird.

Und ich möchte mich hiermit bei allen Menschen ganz herzlich bedanken, die im Ehrenamt ihre Zeit dafür opfern !

Aber wir werden leider nicht sehr viel erreichen und das wird in der Zukunft noch viel schwerer werden.

Wer hat den heute als normal verdienender Breitensportler noch die geringste Chance erfogreich an Meisterschaften teilzunehmen ?

Und dabei ist es egal ob wir uns den Bergrennsport, den Rallyesport oder den Rundstreckensport anschauen.

Der Slalomsport war und ist die einzige und letzte Option für einen Breitensportler noch einigermaßen bezahlbaren Motorsport zu betreiben.

Und diese Basis-Sportart interessiert die Herrschaften in den Vorständen aller Motorsport-Verbände nicht im geringsten.

Der Motorsport wird, wie alle anderen Sportarten auf dieser Welt, nur über die Macht des Geldes gesteuert unnd dabei bleibt der kleine Mann an

der Basis immer auf der Strecke.

Traurig aber wahr !

Mit sportlichen Grüßen

Hans Bauer
Zuletzt geändert von Hans Bauer am Mi Mär 25, 2020 22:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Andi Lugauer
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Re: FIA-Rallye-Pyramide: Prachtbau oder Turmbau zu Babel?

Beitrag von Andi Lugauer » Mi Mär 25, 2020 17:00

Hans Bauer hat geschrieben:
Mi Mär 25, 2020 12:16
Hallo liebe Motorsportkollegen,

ich freue mich sehr darüber, dass wir nun in diesem Thread, eine doch sehr menschliche Art gefunden haben, diese für den Breitensport sehr

wichtigen Themen miteinander zu diskutieren.
Nichts Anderes wollte ich, von Anfang an. Glaube mir das. Menschlichkeit ist mir immer wichtig.

Umso mehr bin ich jetzt überwältigt, nachdem ich Deinen Beitrag gelesen habe. Ich habe jeden Satz davon genossen.

Sei Dir versichert: Du und ich, wir wollen das Gleiche.

Ich denke, jetzt haben wir zueinander gefunden.
MartinGSI hat geschrieben:
Di Mär 24, 2020 19:34
@ewo: Ich alleine werde sicherlich nichts daran ändern. Andi auch nicht. Aber die kleine Hoffnung besteht, wenn sich die "Motorsport Gemeinschaft" gemeinsam für bezahlbaren, sicheren und fairen Motorsport einsetzen, das die hohen Herren dies vielleicht bei der ein oder anderen Entscheidung berücksichtigen.
Mehr als eine Hoffnung ist das nicht. Das ist mir klar.
Nur liebe ich den Motorsport viel zu sehr, als das ich die Hoffnung aufgeben könnte!
Genau das trifft es auf den Punkt. Alleine auf weiter Flur können Rallye-Begeisterte wie Martin oder ich nichts ausrichten. Aber wir können (theoretisch zumindest) Anstöße dafür liefern, daß sich noch um Einiges mehr Menschen zu Wort melden, denen die aktuelle Richtung im Rallyesport mißfällt und die gute Einfälle haben. Ab einer gewissen Anzahl an Menschen, die sich äußern, macht das schon einen Eindruck, auch bei eventuell nicht so willigen "hohen Herren".

Wer sich einsetzt, kann verlieren. Wer es nicht tut, hat schon verloren. Ich denke da immer an ein Liedl von Gert Steinbäcker, einem Sänger der Band "STS", der den Text kreiert hat "Ma kann net immer nur zögern, des kost zu vü Kraft. Ma muß anfoch wos tuan, ganz egal ob ma's schafft. Wenn ma lang genug drauf bleibt, hat des immer an Sinn, wenn ma ernsthaft dran arbeit', führt des immer wohin." Und danach: "I laß ma de Kraft net zerbrechen, gegen den Strom schwimmen muß ma probiern. Daß dann humorlose Leut', die sich ihr Leben meist ersitzen, fest an dir rütteln, muaß ma anfoch riskiern."

Ich denke, an das sollte man sich halten. Bei vielen Dingen. Nicht nur im motorsportlichen.
Sportfahrer hat geschrieben:
Mi Mär 25, 2020 05:50
vorab, den Kopf in den Sand stecken ist nicht mein Ding.
Als ich aber im Zuge der Abschaffung der Gruppe H im Rallyesport gesehen habe,
wie wenig die Gruppe H Fahrzeugbesitzer und Lobbyisten ausrichten konnten,
wurde mir klar wieviel die Meinungen und die Interessen der kleinen Leute an der
Basis des echten Breitensports (ich meine nicht den Breitensport wie ihn Herr Stuck definierte)
wert sind. Hut ab vor Leuten die diesen Kampf gegen Windmühlen aufnehmen.
Ich sehe, wir bewegen uns jetzt gedanklich auch auf der gleichen Wellenlänge. :-D

Langsam kommen wir jetzt auch zu dem heiklen Thema DMSB-Abspaltung/Rallye-Supercup u.Ä.. Ich will immer fair sein. Auch gegenüber dem DMSB.

Was die deutsche Gruppe H betrifft, so ist zunächst die Frage relevant: Wie bedeutend ist oder war das Segment der Gruppe H für den deutschen Rallye-(Breiten-)Sport? Wie zahlreich waren die entsprechenden Wagen, sodaß es Sinn gemacht hätte, diese Gruppe weiterzuführen? Oder ist der Sport mit der Gruppe F nicht auch noch gut genug bedient? (Die gemäßigtere Version der Gruppe H, wenn ich das richtig sehe.)

Ich bin mir da nicht hundertprozentig sicher. Und weiß daher nicht, wie groß der Einschnitt in den Sport durch das Gruppe H-Verbot ist. Und ob es daher Sinn gemacht hätte, dagegen eine Lobby zu bilden.

Möglicherweise aber waren die Motive, warum man mit dem Rallye-Supercup eine alternative, vom DMSB autonome Serie schaffen wollte, jedoch auch noch ganz andere. Wäre vielleicht ein Thema für einen eigenen Thread.

Was grundsätzlich den Kampf gegen Windmühlen betrifft: Siehe oben. Probleme sind da, um gelöst zu werden. Und wie es ausschaut, hat die Autorität des DMSB längst schon Züge angenommen, wo es bedenklich wird.

Das will ich mit Euch auch diskutieren. Und gegebenenfalls auch darüber, welche Konsequenzen die Basis daraus ziehen kann. Wenn es dafür keine wirksamen Mittel und Wege gibt, müssen wir uns wirklich fragen, wie weit es mit unserer Demokratie tatsächlich her ist. Aber vielleicht haben wir (die Menschen wie du und ich) unsere Möglichkeiten, unsere Zukunft (mit) zu gestalten, einfach auch zu wenig ausgeschöpft.

Irgendwo stimmt es schließlich auch, daß jedes Volk das kriegt, was es verdient. Auch wenn Viele das nicht hören wollen.
Den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen ist nicht zielführend. Denn der führt nach Unten.

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