Rallyesport im Wandel: Gesteigerter Nutzwert - aber für wen?

Diskusionen zum Thema Rallye und Rallyesprint Veranstaltungen

Moderator: Moderatoren

Antworten
Andi Lugauer
Ordentliches Forumsmitglied
Beiträge: 72
Registriert: So Dez 08, 2019 17:08
Wohnort: 1190 Wien

Rallyesport im Wandel: Gesteigerter Nutzwert - aber für wen?

Beitrag von Andi Lugauer »

Auch auf die Gefahr hin, daß nicht Jeder eine Freud mit dem hat, was ich hier schreibe, werde ich jetzt einmal ganz schonungslos ein paar Dinge aufrollen bzw. die Aufmerksamkeit verstärkt auf ein paar Dinge richten, die es absolut verdienen, beachtet zu werden. Denn ich denke: Mit der Art und Weise, wie sich der Rallyesport in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat, haben auch nicht Alle eine Freude.

Um gleich einmal zur Sache zu kommen: Der Trend beim Rallyesport ist gemeinhin in die Richtung gegangen, daß immer mehr Abstriche und Qualitätsverluste hingenommen werden mußten, bei vielen verschiedenen Dingen. Angefangen bei der Länge vieler Rallyes, der Streckencharakteristik, dem Grad an Action, Spannung und Überraschungen, der Abwechslung bei den Strecken und Fahrzeugen, bis hin zur allgemeinen Perspektive für talentierte, vor Allem jüngere Fahrer. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber es sind eben nur Ausnahmen. Entsprechend wenige Sport-Talente schaffen es ganz nach Oben, und entsprechend glanzlos und ohne viel Strahlkraft ist auch das gesamte sportliche Geschehen (nicht nur, aber auch wegen dem).

Für mich ist das schon ein ganz klarer Beweis dafür, daß sich der Sport in die ganz eindeutig falsche Richtung bewegt. Umso unverständlicher für mich, daß auch jetzt noch, trotz der ganzen Negativ-Bewegungen (von denen man ja faktisch wirklich sprechen muß), der Kurs energisch verteidigt wird, der diese Negativ-Bewegungen maßgeblich herbeigeführt hat. Und – auch das ist zu beobachten, immer wieder: Jeder, der es wagt, diesen Kurs auch nur zu hinterfragen (vom Kritisieren – auch sachlich und zurückhaltend – rede ich dabei noch gar nicht) – wird zum Realitätsfremden, zum Dummkopf, ja sogar zum Asozialen abgestempelt.

Ohne aber überhaupt erst das ideologische, populistische Fach antasten zu wollen: Es ist doch so, daß uns (also Allen, denen etwas am Rallyesport liegt) immer wieder versprochen wurde, daß es das Beste für uns Alle wäre, wenn sich der Rallyesport dem „Zeitgeist“ anpaßt, was in diesem Fall heißt: Verkürzungen der Rallyes (ausgehend von der Weltmeisterschaft als zentraler Handlungsort) würden die Vermarktung, die Popularität des Rallyesports, das Interesse der Wirtschaft und Gesellschaft am Sport entscheidend voranbringen. Und daß das für alle Beteiligte gut und nur vorteilhaft wäre. Und was ist tatsächlich geschehen? Die Werksbeteiligung in der Weltmeisterschaft ist nicht gestiegen, sondern auf einem Niedrigstlevel. Die Zahl der insgesamt aktuell FIA-homologierten Wagen gegenüber früher noch viel mehr. Die Favoriten unter den Fahrern und Wagen um Siege und Titel sind nicht mehr, sondern weniger geworden. Und das stark. Rallye interessiert insgesamt immer weniger Menschen, keine Rede von einem verstärkten Rückhalt seitens Privatfirmen und Politik. Offenbar auch ist der Sport auch für immer weniger Sparten ein profitabler Absatz-Zweig. Und auch in einem immer geringeren Maße.

Für mich sieht ein konkreter, glaubwürdiger Erfolgsbeweis anders aus. Wenn Ihr mich fragt.

Versteht mich nicht falsch: Auch für mich ist es logisch, ja eigentlich selbstverständlich, daß Rallyesport mit der Zeit geht. Daß er technischen und wirtschaftlichen Änderungen, den Bedürfnissen der Gesellschaft, die nicht immer gleich sind, Rechnung trägt. Aber es sollten die Änderungs- und Nachbesserungs-Maßnahmen, so weit es möglich ist, einen Sinn haben. Sie sollten logisch durchdacht sein. Und sich nicht von irgendwelchen abstrakten Hypes, irgendwelchen Doktrinen leiten lassen.

Aber jetzt kommt das eigentliche Entscheidende: Irgendwer muß von diesem System, den Rallyesport immer mehr zu einer Spielwiese für Privilegierte, für Platzhirschen, für Monopolisten zu reduzieren und den fairen Wettbewerb zurückzudrängen, ja auch profitieren. Und wer kann das sonst sein, außer diese besagten Privilegierten, Platzhirschen und Monopolisten? Denkt nur an Dinge wie den Reifen-Ausrüster, der das Exklusiv-Recht hat, die Top-Teams in der WM zu versorgen, denkt an die ganzen Einheitsteile, die dann oft oder meist (oder sogar ausschließlich???) von ein und dem selben Produzenten kommen, der entsprechend frei seinen Preis gestalten kann und eher nach Oben als nach Unten lizitieren wird. Von wegen „Kostenbremse“…Vorteile für die breite Basis…

Man kann hier noch Vieles nennen, wo sichtbar wird, daß die Geldflüsse einseitig in eine bestimmte Richtung gehen, ansonsten der Sport aber für immer weniger Wirtschaftszweige eine interessante Einkommensquelle ist. Klar, durch weniger benutzte Strecken sinkt der finanzielle Aufwand, hinsichtlich der Instandsetzung, der beauftragten Funktionärsprofis, und was weiß ich. Aber daran haben wiederum auch Andere verdient. So ist das eben in der Wirtschaft: Damit man etwas verdienen kann, muß man auch etwas ausgeben. Alles Andere ist Raubrittertum. In früheren Jahren war es ja auch möglich, aus fairem Einsatz Gewinn zu schöpfen. Und den insgesamt auf mehr Unternehmen zu verteilen.

Kurz gesagt: Diejenigen, die eh schon eine Menge besitzen, bereichern sich heute in einem noch höheren Maß als früher, den eh schon Minder-Reichen bis Armen wird es noch schwerer gemacht, zu verdienen. Wenn nicht so gut wie Alle davon kräftig draufzahlen. Kräftiger als früher. Auch ist es so, daß man weniger stark durch reale sachliche Leistung, sondern viel mehr durch taktische Tricks zu Erfolg kommt. Und die schafft Einer, der nicht so reich ist, nicht so leicht wie Einer, dem das Großkapital in die Wiege gelegt wurde.

Und jetzt frage ich Euch: Ist das in Euren Augen ein Trend, der Fortschrittlichkeit repräsentiert? Haltet Ihr das für eine Basis, auf die man für eine gute Zukunft bauen kann (egal, welche Aspekte man berücksichtigt)? Kann man so etwas als wertvolle geistige Errungenschaft betrachten?

Wie gesagt: Einen Nutzwert hat es sicher. Auch in Bangladesh oder Äthiopien ist nicht Jeder arm, sagt man.
Den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen ist nicht zielführend. Denn der führt nach Unten.
Benutzeravatar
EWO
Spitzen-Mitglied
Beiträge: 8643
Registriert: Mi Sep 08, 2004 19:42
Wohnort: KIEL
Kontaktdaten:

Re: Rallyesport im Wandel: Gesteigerter Nutzwert - aber für wen?

Beitrag von EWO »

Soweit okay, doch wo ist der Plan bzw die konkrete Idee wie es besser laufen kann?
Unseren leider meist nicht aus der Basis gewählten Entscheidern alles zu überlassen ist offenbar nicht ideal. Zu stark ist Lobbyismus einzelner am Wirken.
Andi Lugauer
Ordentliches Forumsmitglied
Beiträge: 72
Registriert: So Dez 08, 2019 17:08
Wohnort: 1190 Wien

Re: Rallyesport im Wandel: Gesteigerter Nutzwert - aber für wen?

Beitrag von Andi Lugauer »

EWO hat geschrieben: Di Mär 28, 2023 13:23 Soweit okay, doch wo ist der Plan bzw die konkrete Idee wie es besser laufen kann?
Unseren leider meist nicht aus der Basis gewählten Entscheidern alles zu überlassen ist offenbar nicht ideal. Zu stark ist Lobbyismus einzelner am Wirken.
Grüß Dich! :-D

Ich danke Dir sehr für Dein Interesse.

Die Frage ist ganz richtig gestellt. Und auch der Gedankengang dahinter vollauf zutreffend.

Es wäre aus vielen Gründen wichtig, in den von mir genannten Dingen weiterzukommen. Nicht nur, wenn es um den Rallyesport geht, wenn man es genau betrachtet. Es hängt noch sehr Vieles mehr daran, was uns Alle betrifft. Tagtäglich.

Und schließlich und endlich soll der Sport ja doch auch so etwas wie Fairneß, Zielstrebigkeit und gemeinsame Arbeit an einer guten Sache repräsentieren. Ich sehe es durchaus so, daß das viele andere Lebensbereiche mitreißen könnte, wenn es im Rallyesport gut läuft. Und zwar nicht nur für eine kleine Gruppe von Beteiligten, sondern für möglichst Alle.

Wo also beginnen?

Nach meiner Einschätzung würde es schon einmal sehr viel bringen, wenn sich mehr Menschen zum Sport äußern und damit ihr Interesse zeigen würden. Ihre Leidenschaft am Sport zum Ausdruck bringen würden. Verstärkt erkennen lassen würden, was sie damit verbindet. In irgendeiner Form. Das wäre schon einmal ein verstärktes Signal, daß Rallyes nach wie vor viele Anhänger haben – und daß man dem auf vielfältige Weise Rechnung tragen sollte. Auch aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus und aus anderen relevanten Gründen.

Möglichkeiten dafür gibt es ja genug. Neben der althergebrachten Methode des Leserbrief-Schreibens, der direkten Kontaktaufnahme mit Sportlern, Teams und anderen gestaltenden Persönlichkeiten oder auch des persönlichen Ansprechens kann man sich in der heutigen Zeit ja auch des Internets bedienen, um Andere an seinen Gedanken teilhaben zu lassen (Youtube…oder auch das eine oder andere mehr oder weniger einschlägige Forum). Das sind meiner Meinung nach sehr wirksame Maßnahmen, wie der gewöhnliche Mensch verhältnismäßig viel in Gang bringen kann.

Um Einiges zusätzlich interessanter wird es, wenn die Menschen nicht nur ihre Begeisterung an Rallyes erkennen lassen, sondern auch an Lösungen mitarbeiten. Ihre eigenen Zielvorstellungen nennen – und so weiter. Vor Allem als von verschiedenen Dingen betroffener Sportler, der Erfahrungen mit einigen wesentlichen Sachen gemacht hat, hat man da gute Möglichkeiten, wertvolle Gedanken auszutauschen. Klar hat der Eine oder Andere unterschiedliche Vorstellungen davon, wie bestimmte Dinge idealerweise geregelt werden sollten, es sind die Bedürfnisse auch von Kategorie zu Kategorie und Bereich zu Bereich verschieden. Bei einem Marijan Griebel oder einem Maximilian Koch sehen die Rahmenbedingungen und daraus resultierenden Wünsche anders aus als bei einem Teilnehmer, der einfach nur mit einem Trabi seinen Spaß genießen will. Und bei einem Rovanperä sehen die Prioritäten schon wieder ganz anders aus. Wenn jedes Feld bestmöglich seiner Bestimmung entsprechend gestaltet ist, hinsichtlich Streckenwahl und –Länge, Nenngeld-Höhe, gewerteten Fahrzeugen, Wertungs-Modalität und dergleichen Ähnlichem, dann ist es sicher gut.

Aber um eben hier überall das bestmögliche Optimum herauszuholen, ist es wichtig, sich so sachlich profund und gründlich wie möglich zu beraten. Da sind eben Erfahrungen aus der Praxis immer wieder gefragt. Wichtig ist kommunizieren und noch einmal kommunizieren.

Und dann ist es – so sollte es normalerweise sein – aus der Sicht Aller, die aus dem Rallyesport einen Nutzen ziehen wollen (und vor Allem bei den „Großverdienern“ des Sports, meiner Meinung nach), unverzichtbar, auf die Anliegen der Fans, der Rallye-Begeisterten, die dem Spektakel beiwohnen, einzugehen. Leider halt eben: Wenn sie sich überhaupt zu Wort melden, dann viel zu wenig mit profunden, durchdachten Definitionen ihrer Anliegen. Klar, daß nahezu ein Jeder, wenn nicht überhaupt Alle, will, daß es möglichst laut ist, daß die Fahr-Action möglichst wild rüberkommt, daß auf der Strecke sehenswert gekämpft wird. Nur über das „Wie“ macht sich kaum Jemand ernsthaft Gedanken. Was man meistens nur hört: Daß man sich die Gruppe B mit all ihren übersteigerten Risikofaktoren zurückwünscht. Und das ist absoluter Schwachsinn.

Für mich ist schon seit Langem klar, daß ein guter Rallyesport auch ohne PS-Auswüchse möglich ist. Da sogar noch um Einiges mehr, weil da mehr Chancengleichheit herrscht und es für jeden Teilnehmer mehr Sinn macht, verstärkt ans Limit zu gehen. Sicher: Konstruktive Freiräume schaffen bei verschiedenen Dingen (ist auch für die generelle technische Weiterentwicklung wichtig), die Autos (zumindest die für den vorderen Bereich) etwas stärker auf Wettbewerb trimmen, sodaß das ein bißchen einen klangvolleren Auftritt hat – spricht Alles dafür. Deswegen kann das aber trotzdem fahrleistungsmäßig einigermaßen im Rahmen bleiben. Wir brauchen uns nicht mit 250 durch den Wald pfeilen.

Wie solche Regelungen im Einzelnen aussehen können oder sollen, und wie unterschiedlich je nach Kategorie, darüber kann man sich wiederum austauschen. Einen möglichst guten gleichen Nenner kann man schließlich finden, je intensiver man sich mit dem Fach beschäftigt. Und je mehr man offen ist für relevante Tatsachen. Dabei nicht nur in eine bestimmte Richtung denken ist vorteilhaft.

Eine hundertprozentige Regelung für Alles kann es nie geben. Aber so, wie es jetzt läuft, so nicht Fisch und nicht Fleisch bei so vielen Dingen – das kann auf keinen Fall das Ziel sein.

Schließlich noch der ganz entscheidende Grundaspekt: Wie setzt man das Ganze so weitreichend und in der Sache wunschgemäß als möglich durch? Wie kann die Basis gegen Lobbyisten und deren Egoismus ankommen, wie kann Idealismus über Opportunismus siegen?

Nun ja. Wie man immer sagt: Die Menge macht das Gift. Warum dann nicht auch das Gegengift?

Schon aus kleinen Dingen eben kann man eine starke Wirkung generieren, wenn genug Menschen mitmachen. Wie gesagt: Sich als Rallye-Liebender äußern, Andere durch Motivation mitreißen – wenn sich Viele beteiligen, wird das ernst genommen. Umso mehr, je wohlüberlegter die Wortmeldungen sind und je mehr Denk-Leistung sich darin widerspiegelt. Das erfordert eben eine gewisse Erfahrung und Auseinandersetzung mit dem Fach. Aber auch schon viele schlichte Bekenntnisse zur Freude, die man am Sport hat, können schon weiterhelfen. Schließlich sind diese Menschen ja auch Konsumenten (->Sponsoring…), Wählerstimmen – und so Einiges.

Natürlich bringt es auch viel, wenn die Menschen profund aufgeklärt sind über wirtschaftliche und gesellschaftliche Vorgänge, wenn sie ein Grundverständnis haben dafür, wodurch verschiedene Entscheidungen von Führungsebenen begründet oder motiviert sind. Immer wieder verschiedene Seiten sehen, immer wieder dazulernen wollen, ist genauso unverzichtbar. Und es braucht Eines auch: Zivilcourage. Denn nach meiner Erfahrung muß man als idealistisch eingestellter Mensch sich sehr viel Widerstand stellen. Und der ist umso schwieriger zu überwinden, je weniger Menschen dazu bereit sind, auch bei Gegenwind hinter einer guten Sache zu stehen.

Bei vermeintlichen Kleinigkeiten wie Forumseinträgen, die nicht dem Geschmack einer bestimmten Klientel entsprechen, fängt es schon an. Meinungsfreiheit existiert oft nur auf dem Papier. Die Praxis hinkt da nicht selten weit hinter der schönen Theorie zurück. Auch das ist meine Erfahrung.

Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht. Muß ich noch mehr sagen?

In diesem Sinne - liebe Grüße. :roll: 8)
Den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen ist nicht zielführend. Denn der führt nach Unten.
Benutzeravatar
EWO
Spitzen-Mitglied
Beiträge: 8643
Registriert: Mi Sep 08, 2004 19:42
Wohnort: KIEL
Kontaktdaten:

Re: Rallyesport im Wandel: Gesteigerter Nutzwert - aber für wen?

Beitrag von EWO »

Ich brauche es konkreter, um zu erkennen was dir vorschwebt. Die 80er sind out, da sind sich vermutlich die allermeisten einig und wir Älteren schwelgen gern in Erinnerungen, aber es bedarf konkreter Konstrukte, die dann auch den Motorsport-Gegnern vermittelbar wäre.
Da sehe ich bisher nichts.
Andi Lugauer
Ordentliches Forumsmitglied
Beiträge: 72
Registriert: So Dez 08, 2019 17:08
Wohnort: 1190 Wien

Re: Rallyesport im Wandel: Gesteigerter Nutzwert - aber für wen?

Beitrag von Andi Lugauer »

EWO hat geschrieben: Fr Mär 31, 2023 07:34 Ich brauche es konkreter, um zu erkennen was dir vorschwebt. Die 80er sind out, da sind sich vermutlich die allermeisten einig und wir Älteren schwelgen gern in Erinnerungen, aber es bedarf konkreter Konstrukte, die dann auch den Motorsport-Gegnern vermittelbar wäre.
Da sehe ich bisher nichts.
Hallo, servus...! :-D

Der technische Bereich ist natürlich sehr wichtig. Und da vor Allem, eine glaubwürdige Orientierung in eine bessere Energie-Ausnützung zu vermitteln. Weniger CO2-Ausstoß, und überhaupt in einem möglichst geringem Maß die Umwelt belasten, ist da ein starker PR-Faktor. Dem vor Allem die Top-Kategorie des Rallyesports Rechnung tragen sollte.

Ich bin ja schon seit Längerem der Auffassung, daß vor Allem die höchsten und publikumsträchtigsten Sparten des Motorsports sich diesem Thema verstärkt widmen sollten. Rallye ist da vielleicht nicht so ein repräsentatives Beispiel, da die Rallye-Wettbewerbsfahrzeuge traditionell an den jeweiligen Serienstandard gebunden sind. Was ja alleine schon deswegen logisch ist, weil die Rallyewagen bekanntermaßen eine Straßenzulassung benötigen und man da nicht so auf Teufel komm raus in technischen Dingen herumexperimentieren kann. Bei den Rundstrecken-Disziplinen (F1, Sportprototypen und Ähnliches) sehe ich da um Einiges mehr Spielraum. Wenn man Alleine bedenkt, was in Indianapolis einmal Alles mitgefahren ist...eigentlich Alles, was vier Räder und einen Motor hat.

An dieser Stelle möchte ich an den von mir eröffneten Thread "Motorsport als (Umwelt)Pionier" verweisen. Findet sich in der Rubrik "Small Talk".

Im Rallyesport, denke ich, könnte man sich zumindest damit behelfen, daß ein jeder Pkw-Hersteller sein eigenes Know-How einsetzen darf. Und nicht durch Verordnung durch das Reglement auf irgendwelche Einheitsteile zurückgreifen muß, womit man dann natürlich auch keine Produkt-Identität bewerben/vermitteln kann.

Ich hätte nichts dagegen, wenn die Ausrichtung im Rallyesport verstärkt in Richtung vermehrten Einsatzes des Elektromotors gehen würde. Wenn man Anreize dafür schaffen würde, den Elektroantrieb einer Erprobung in der Praxis zu unterziehen. Es ist natürlich dann auch die Frage, wie man die Rahmenbedingungen dafür gestaltet. Zum Beispiel: Wie oft und auf welche Weise darf nachgeladen werden? Eventuell auch: Wie oft darf der Stromspeicher ausgetauscht werden, um die Langlebigkeit des Moduls zu erproben. Das ist ja für den Serieneinsatz sicher auch ein entscheidendes Thema. Alles Faktoren, die in die Richtung gehen sollten, einen Akkumulator möglichst effizient und ohne Energieverluste zu konzipieren. Und eben auch möglichst dauerhaft einsetzbar.

Hier Wege zu finden, um einen Motorsport-Teilbereich (in diesem Fall den Rallyesport, und hier speziell den Spitzen-Bereich, weil unterhalb davon wird das ohnehin kaum möglich sein) als Testlabor nützen zu können, sollte die Aufgabe von ausgebildeten Technikern sein. Vor Allem eben, wie man das Ganze in einem Reglement unterbringt, betreffend der Vorgaben bei den Fahrzeugen (ev. PS- und Verbrauchs-Vorgabe beim Verbrenner, weil ein reiner Elektronantrieb, der lange genug Energie bereithält, wird sich auf die Schnelle nicht realisieren lassen; eventuelle Gewichts- oder andere Handicap-Regelung, um die Vor-/Nachteile gegenüber reinen Verbrennungsmotor-bestückten Wagen auszugleichen). In jedem Fall: Innovation zugunsten geringeren Energieverbrauchs und Materialverbrauchs sollte gefördert werden.

Ich wollte mich hier aber gar nicht so sehr allein auf das rein Technische allein festlegen. Sondern vor Allem, wie ein abwechslungsreicher, sehenswerter Rallyesport begünstigt werden könnte. Das ist ja zu einem großen Teil eine Frage, die sehr vom Grad des Verfolgens bestimmter Eigeninteressen abhängt. Und der daraus resultierenden Taktik. Wie ich des Öfteren schon gelesen habe, ist die FIA gar nicht so sehr motiviert, mehr als drei oder vier Hersteller in der Top-WRC-Kategorie zu haben. Na dann...

Was mir insgesamt vorschwebt? In jedem Fall mehr Wettbewerb zwischen mehr verschiedenen Herstellern, bessere Aufstiegschancen für talentierte Sportler, und das Ganze verbunden auch mit wieder längeren und streckenmäßig anspruchsvolleren Rallyes. Und daß der Sport insgesamt wieder eine stärkere Breitenwirkung bekommt. Dann haben Alle mehr davon.

Denn der Sport hat nicht nur durch verstärktes Umweltbewußtsein viel an Boden eingebüßt, sondern mindestens ebenso dadurch, daß viele der alteingesessenen Anhänger abhanden gekommen sind. Sicher nicht ohne Grund!
Den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen ist nicht zielführend. Denn der führt nach Unten.
Antworten