Aus dem Werkstattalltag

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Aus dem Werkstattalltag

Beitragvon Erich » Di Jul 28, 2015 13:55

Kunde: "Mein Auto braucht TÜV, aber er bremst nicht mehr so gut. Könnt ihr da neue Klötze reinstecken?"
Der Lehrling baut das auseinander und legt die Porsche GT2-Scheiben auf den Tisch "Meister, ich glaube die müssen auch neu..."
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Re: Aus dem Werkstattalltag

Beitragvon Erich » Sa Aug 06, 2016 11:46

Noch ein Fall:
Kunde aus dem tiefsten Süden nahe der Schweizer Grenze rief an:
"Ich weiß nicht mehr weiter, habe mir einen gebrauchten GT86 gekauft, hat erst 18000 km drauf und ist fast Original bis auf 8x18-Felgen mit 225/40-18 Dunlop aus dem Toyota-Zubehörkatalog. Wenn ich stark Gas gebe, zieht er schlagartig nach links, nehme ich Gas Weg, nach rechts. Keine Werkstatt kann helfen, haben alles versucht und ich weiß nicht mehr weiter. Bekommt ihr das hin, ihr macht doch alles mit dem Auto?"
"Das sollten wir schon können, müssen aber einen Termin machen. Möglicherweise dauert das länger..."
Kunde war da, Probefahrt. Fährt tatsächlich so wie beschrieben, so etwas haben wir noch nie beobachtet.
Auto auf die Bühne, sämtliche Fahrwerkskomponenten überprüft, Schrauben nachgezogen, alles bestens.
Radeinstellung vermessen. Wie üblich alles andere als gut eingestellt, aber auch damit dürfte er sich so nicht benehmen.
Achsgeometrie gescheit mit minimalen Toleranzen eingestellt, dazu mit Korrekturbuchsen den Sturz an der HA auf einen vernünftigen Wert gebracht, Fahrachswinkel 0:00, auch der Nachlauf mit nur minimalen Differenzen, was recht selten ist.
Probefahrt: Macht er immer noch, zum Teufel nochmal! :x
Das selbständige Einlenken macht er umso mehr, je höher die Motordrehzahl ist, eine eindeutige Lastwechselreaktion. Kann als nur von der Hinterachse kommen. :idea:
Räder abgeschraubt, meine Federals dran, Probefahrt. Auto fährt optimal, so wie es sich gehört.
Räder auf Schäden und Verschleiß überprüft, sogar die ET nachgemessen, alles bestens. Und dann: sollte der nicht 225/40-18 drauf haben? Hier steht 245/40-18. Die darf er aber nicht fahren, höchsten 245/35-18 :shock:
Nochmal nachgesehen: die restlichen 3 Reifen waren 225/40-18. Hier lag der Hase im Pfeffer. Unterschiedliche Abrollumfänge auf der Hinterachse haben diesen Effekt verursacht, die Sperre hat noch mitgeholfen.
Der Rest war Routine, der Kunde glücklich und ab ging es zurück in den Schwarzwald :-D :-D :-D
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Re: Aus dem Werkstattalltag

Beitragvon Hans Bauer » Sa Aug 06, 2016 12:36

.
.

Das ist schon eigenartig, dass das niemanden von der Optik aufgefallen ist :roll:

Ein 245/40er Reifen steht vom Flankenbild auf eine 8 Zoll breiten Felge doch ganz anders, als ein 225/40er Reifen :idea:

Und auch das Radhaus ist ganz anders ausgefüllt :idea:

Deshalb, immer Augen auf, bevor man ein Auto zerlegt ... :wink:

.
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Re: Aus dem Werkstattalltag

Beitragvon Erich » Sa Aug 06, 2016 14:47

Es war so gut wie gar nicht zu erkennen, selbst als,die Räder nebeneinander standen. Eingebaut an der Hinterachse erst recht nicht.
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Re: Aus dem Werkstattalltag

Beitragvon Japanese » Mo Aug 08, 2016 08:47

und genau aus diesem Grund hat Erich ja dieses "Kuriosum" für uns geschrieben.

Im Nachhinein, wenn man so einen Fehler gefunden hat, ist das ja ganz klar und logisch. Aber oftmals ist ein Fehler eben "sehr gut versteckt".

Durch solche Darstellung der Fehler können wir nur dazu lernen - abgesehen von einem gewissen Schmunzeln, daß Sowas überhaupt passiert, und vor Allem, wie konnte es dazu kommen :?: :!: :lol:

Grüße

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Re: Aus dem Werkstattalltag

Beitragvon EWO » Mo Aug 08, 2016 09:47

Schöner Erfahrungsbericht,
das so was Dämliches in der Praxis wirklich auftreten kann, kann man sich kaum vorstellen.
Daher auch von mir Danke. Bei Autos mit vermehrt elektronischen Helfern passieren eben auch vermehrt Dinge, die der Fahrer nicht mehr "steuern" kann.
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Re: Aus dem Werkstattalltag

Beitragvon Erich » Mo Aug 08, 2016 10:19

Stimmt, die Elektronik kann da schon mal ganz schön eklig sein.
Ich erinnere mich an einen Kia Sorento, der urplötzlich während der Fahrt selbständig eine starke Bremsung hinlegte :shock: .
So etwas kann richtig gefährlich werden.
Ursache hier: ein schlechter Massekontakt im Kabelbaum unter dem Armaturenbrett verursachte einen unzulässigen ESP-Eingriff :x
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Re: Aus dem Werkstattalltag

Beitragvon Carsten » Mo Aug 08, 2016 11:12

Moin,

für mich als Hobby-Schrauber und Ingenieur in der Elektronik-Entwickling für die Automobil-Zulieferindustrie ist es mitunter einerseits nachvollziehbar, aber andrerseits auch erschreckend, dass solche Dinge passieren und lange unentdeckt bleiben.

Leider ist in KFZ Handwerk der Zeit- und Leistungsdruck sehr hoch, so dass oft dem Diagnose-Computer blind gefolgt wird. Die meisten Gesellen haben nach meiner Erfahrung verlernt, analytisch Fehler zu suchen, dauert zu lange und ist zu kompliziert.

Nun, es ist aber auch undankbar. Was berechnet man dem Kunden? Einen bzw. zwei Reifen plus Montage? Eine Vermessung? Wieviele Arbeitsstunden, gar Meisterstunden?

In dem Fall ist der Kunde vielleicht happy und zahlungnswillig, aber es gibt ja auch genug Kunden (ich bin ab und zu auch so!), die nur Zahlen wollen, was wirklich kaputt war.

@Erich: schön zu sehen, dass du und deine Leute sich für sowas Zeit nehmen. Einen guten Ruf erarbeitet man sich eben auch nur mit so Aktionen...

Just my 2 Cent....

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Re: Aus dem Werkstattalltag

Beitragvon Erich » Mo Aug 08, 2016 13:13

Der Preis hielt sich in erträglichen Grenzen.
Für den Einbau von Sturzkorrekturlagern incl. Material und präziser Radeinstellung sind für den GT86 pauschal 350 €uronen fällig, egal wie lange die Einstellung dauert.
Allein die Einstellung kann schon mal über 2 Stunden und auch mehr erfordern, aber dann fährt das Auto auch fast so wie meins :wink:
Wir hören erst auf, bis es richtig und nicht nur halbwegs passt.
Dazu kam dann die Zeit für die komplette Überprüfung und Tests, Reifenmontage usw, was mit ca 2 Stunden zu Buche schlug.

Rechnet man den minimierten Reifenverschleiß und den kaum bezahlbaren Spaßfaktor durch ein jetzt richtig sportlich fahrbares Auto, dann sind auch die 1200 km An- und Abreise zu verschmerzen.
Seltsam nur, dass das kein anderer konnte :?
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Re: Aus dem Werkstattalltag

Beitragvon Wilfried Böhmann » Di Aug 09, 2016 17:12

Da habe ich auch noch was.
Es begab sich seinerzeit zu Beckum. Ein 3er BMW rollte über der Hebebühne auf mich zu. Ich weiß, da sollte man dann nicht stehen, aber ein mächtiger Tresen war noch dazwischen...
Irgendetwas war da schief,nicht ganz symmetrisch. Fahrzeug angehoben, erst die Räder angeschaut, dann den Fahrer gefragt, wer denn wohl die Räder montiert hätte.
"Eine Fachwerkstatt hat mir vor 4 Wochen die Sommerreifen montiert, is was damit?"
"Aber sicher. Vorn links ist das breite Rad der Hinterachse und hinten rechts das schmalere der Vorderachse drauf!"
Welche Größen das damals waren,habe ich heute nicht mehr parat. 7 oder 7,5'' vorn, 8 oder 8,5'' hinten mit den entsprechend unterschiedlichen Reifen.
Solche Schoten bereichern doch ein ganzes Arbeitsleben, oder?
Gruß
W.Böhmann

... der noch mehr berichten könnte..
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Re: Aus dem Werkstattalltag

Beitragvon Wilfried Böhmann » Di Aug 09, 2016 17:32

Noch was...
Ford Galaxy erste Serie: Linke Seite 205/60R15 auf Original LM-Rädern, rechts 195/65R15 auf Stahlfelgen. Sollen schon 2 Monate so drauf gewesen sein und keiner hats gemerkt. Auch nicht der freundliche Ford-Händler, der sie montiert hatte, warum auch immer.

Besonders niedlich war die Frau mit einem Ford 20m, die ich auf ihren klappernden Auspuff hinwies.
( Nicht ihren, den des Autos, Mann...)
" Ja", sagte sie, "Mein Tankwart meinte, da müsste eine neue Klingel dran"
"???"
"Weiß ich auch nicht, wieso", rätselte sie.

Nun kann man ja zu einer Fahrradklingel ja auch Fahrradschelle sagen, nicht wahr? Das wird dieser Tankwart wohl auch gesagt haben, aber für jene Dame gab es beim Wort "Schelle" nur die Bedeutung "klingeling" :lol:
Das muss für heute reichen...
Gruß
W. Böhmann
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Re: Aus dem Werkstattalltag

Beitragvon Japanese » Mi Aug 10, 2016 09:50

Deinen letzten Beitrag finde ich einfach geil :lol: :lol: :lol:

Grüße

Dieter - Japanese
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