Motorsport als (Umwelt-)Pionier

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Andi Lugauer
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Motorsport als (Umwelt-)Pionier

Beitrag von Andi Lugauer » Mo Dez 16, 2019 21:14

Ich denke, jeder Rennsportfan, ob aktiv oder passiv, kennt das: Es wird unnötig Benzin verfahren, es wird unnötig Lärm und Abgase produziert, und - nicht zu vergessen: Motorsportler sind ein schlechtes Vorbild für die Bevölkerung. Es ist klar, und es wird immer so sein: Rennsport mit motorisierten Fahrzeugen - gemeinhin als Motorsport bekannt - gefällt nicht Jedem. Aber kann man wirklich nichts tun, um das Ansehen des Motorsports in der breiten Öffentlichkeit zu verbessern? Zumindest so weit, daß er von einem größeren Teil der Menschen akzeptiert, wenn schon nicht gutgeheißen wird? Ganz zu schweigen davon, daß er auch - oder sogar gerade - in einer Zeit des steigenden Bewußtseins für die Umwelt- und Klimaproblematik als wichtiger Generator und Motivator für nützliche technische Neuerungen betrachtet wird? Und damit ein Sponsoring wieder mehr Sinn macht?

Ich sehe da durchaus Möglichkeiten. Und die können verschieden aussehen. Elektro-Fahrzeuge sind derzeit in aller Munde, aber ist ihr Einsatz wirklich so klimaneutral und unbedenklich, daß sie eine ernstzunehmende Alternative darstellen? Macht der verstärkte Umstieg auf E-Autos auch in der Praxis so viel Sinn, wie es vielerorts verkauft wird? Und wie sieht es im Falle eines Unfalles mit Feuer oder Wasser aus? (Gerade bei Rallyes ein bisweilen heikles Thema.)

Persönlich bin ich da eher skeptisch, was diesen Bereich betrifft. Aus meiner Sicht macht es mehr Sinn, die Entwicklung von Verbrennern zu forcieren, die möglichst wenig verbrauchen. Oder, anders gesagt: Die aus einer bestimmten (vorzugsweise eher geringen) Energiemenge ein Maximum an Leistung herausholen. Das wäre für mich ein entscheidender Ansatz. Denn auch wenn es gelingt, Treibstoff aus regenerativen Quellen herzustellen (E-Fuel wäre für mich eine der besten Optionen), macht es Sinn, möglichst wenig Giftstoffe zu erzeugen. Das führt logischerweise über eine möglichst hohe Effizienz der Motoren.

Wie da der Motorsport mit gutem Beispiel voran gehen könnte, da hätte ich schon meine Vorstellungen. Bereits zur Mitte der Achtziger Jahre hat der ehemalige Opel-Motoren-Chefkonstrukteur Prof. Dr. Fritz Indra den Vorschlag gemacht, jedem Formel 1-Auto die gleiche Menge Treibstoff in den Tank zu geben, aber den Motorenbauern bei der Gestaltung ihrer Triebwerke völlig freie Wahl zu lassen. Im Klartext: Egal, wie viele Zylinder, mit oder ohne Turbo, oder auch keine Zylinder (Wankel, Gasturbine,...) - einfach Alles. Unabhängig vom Funktionsprinzip. Die Stoßrichtung soll einfach in die Richtung gehen, daß die Ingenieure ihr ganzes Gehirnschmalz einsetzen, um möglichst effiziente Motoren zu bauen. Aus meiner Sicht nicht nur vernünftig, sondern auch außerordentlich spannend und interessant! :)

Sind wir ehrlich: Jetzt bauen in der Formel 1 doch Alle das Gleiche, trotzdem ist eine relative Chancengleichheit in der Praxis nach wie vor Utopie. Es gibt zwar jetzt Hybridantrieb und wieder Turbomotoren, die den Kraftstoff besser nützen, und zudem Turbo-Compound, aber Freiräume für wirkliche Kreativität gibt es de facto so gut wie keine. Es ist ja Alles vorgegeben: Der Hubraum, die Zylinder, und weiß nicht was noch Alles. Wer sagt denn, daß nicht ein Fünftakt- oder Sechstaktmotor das Gleiche noch besser könnte, wenn er entsprechend raffiniert gestaltet ist? Nur ein Beispiel. Oder irgendeine andere Neuentwicklung mit entsprechendem Know-how.

Heute könnte man das seinerzeit von Fritz Indra vorgeschlagene Programm noch viel eleganter verwirklichen, mit einem limitierten Treibstoffdurchlaß, damit nicht Einer, der die Führung mit viel Einsatz erkämpft, in der letzten Runde ohne Sprit liegenbleibt. Motorsport ist auch ein Wettbewerb der Konstrukteure. Und er kann sich damit sehr nützlich und nicht nur bei Freaks populär machen. Leider ist dieser Faktor in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer mehr ins Hintertreffen geraten. Spannendere Rennen haben wir trotzdem nach wie vor nicht.

Meine Meinung: Die Königsklasse des Automobilsports wäre das ideale Betätigungsfeld für derartige Praxis-Tests neuartiger Technologien. Und weil dort die meisten Menschen zusehen, gibt es dort auch das meiste Geld, was die Umsetzung raffinierter Konstruktionen zusätzlich erleichtert. Für mich eine naheliegende Kombination.
Den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen ist nicht zielführend. Denn der führt nach Unten.

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Re: Motorsport als (Umwelt-)Pionier

Beitrag von Roawdy » Mo Dez 16, 2019 23:22

Hallo Andi,
den Motorsport als Entwicklungsträger gab es leider nur sehr selten, sonst wäre einiges in den letzten 140 Jahren anders gelaufen.
Zur Erinnerung, der Turbolader stammt von 1906 (Büchli, Stoßladung1928 :-D ), der 4Zylinder-Motor mit 4 Ventilen und 2 obenliegenden Nockenwellen von 1908 (Henrie für Peugeot). Der erste Hybrid (2,5l 4Zylinder, Batterie, 2 oder 4 Radnabenmotoren) wurde von 1896 bis 1902 in Serie gebaut(Lohner-Porsche).
So kann ich noch stundenlang über aus Geldgier,mangelnder Zukunftsplanung und Dummheit verpasster Chancen schreiben.
Man braucht sich doch nur die letzten 10 Jahre ansehen und die unrühmliche Rolle der deutschen Topp :( firmen ansehen..
Jrooß Roawdy

Andi Lugauer
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Re: Motorsport als (Umwelt-)Pionier

Beitrag von Andi Lugauer » Mo Dez 16, 2019 23:55

@ Roawdy:

Ich denke aber schon, daß z.B. der Turbolader erst dadurch so eine gute Serienreife bekommen hat, daß ab 1977 damit ausgestattete Motoren in der Formel 1 eingesetzt wurden (und das im Lauf der Zeit immer erfolgreicher; in der CanAm-Series war man schon etwas früher dran). Und die Technologie dadurch perfektioniert wurde.

Und wenn der Motorsport besonders in den letzten Jahrzehnten als Entwicklungsträger eher ausgesetzt hat, dann liegt es höchstwahrscheinlich vor Allem an den Rahmenbedingungen (Reglement et cetera). Und die kann man ändern. Es wäre besonders in der heutigen Zeit sehr wichtig, darum hoffe ich, daß die Zeichen der Zeit möglichst bald erkannt werden und danach gehandelt wird. Und die Vernunft und der Idealismus über Dummheit und Kurzsichtigkeit siegen.
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Re: Motorsport als (Umwelt-)Pionier

Beitrag von Erich » Do Dez 19, 2019 14:09

Deine Gedanken sind schon ganz richtig.
Leider treffen heute keine Fachleute und Techniker Entscheidungen, die sich an den physikalischen Gesetzmäßigkeiten und der Realität orientieren sondern dumme und ungebildete Ideologen, die oft nicht einmal eine Berufsausbildung nachweisen können, aber die Welt retten wollen.
Wir kämen weiter, wenn man zunächst die Welt vor diesen Ideologen rettet, vorher hat der Verstand keine Chance.
Ansonsten schließe ich mich deinen Wünschen weitgehend an.
Frohes Fest!
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Re: Motorsport als (Umwelt-)Pionier

Beitrag von Andi Lugauer » Fr Dez 20, 2019 20:20

Grüß Dich, Erich.

Ich bin erstaunt, daß es noch Menschen gibt, die es zuwege bringen, derart geradlinig ihre Sicht der Dinge darzulegen. Egal, wie man jetzt im Detail dazu steht. Das läßt mich direkt an Weihnachtswunder oder andere Wunder glauben. :mrgreen:

Selber bin ich ja auch kein ausgebildeter Techniker. Ich beschäftige mich hobbymäßig mit der Funktionsweise unterschiedlicher Antriebe für Autos oder Motorräder. Unter Anderem. Und ich denke, am Aussagekräftigsten darüber, welche Technologie(n) sich am Besten für den Einsatz im täglichen Alltag eignet/n, gibt immer noch der beinharte Wettbewerb Auskunft. Ich denke, es ist kein Zufall, daß ausgerechnet Ferdinand Porsche, einer der profiliertesten Rennwagen-Konstrukteure ever (Lohner-Porsche, Austro Daimler, Auto Union), eines der kommerziell erfolgreichsten Autos konzipiert hat: Den Käfer. Und bei Ford, BMW, Mercedes oder Honda verhält es sich nicht viel anders (alles Marken mit großer Rennsport-Vergangenheit und teilweise auch -Gegenwart).

Da wir uns über das Technische im Wesentlichen einig sind, möchte ich zum nächsten Kapitel überleiten: Wie kann das Ganze (Sport-)politisch umgesetzt werden?

Da offensichtlich die aktuell beteiligten Teams/Firmen/Werke sowie die FIA wenig Interesse an einer Renn-Formel haben, die das Forcieren raffinierter Konstruktionen begünstigt, die auf maximale Energie-Effizienz ausgelegt sind, kann es nur einen Weg geben: Die breite Masse der Menschen muß sich dafür stark machen. Je zahlreicher, umso besser. Aber wo beginnen?

Ich denke, man muß die Menschen erreichen. Nicht nur räumlich, sondern auch emotional. Man muß bei möglichst vielen Personen die Begeisterung für eine Art von Motorsport wecken, die möglichst viel Innovation im Interesse des Umwelt- und Klimaschutzes aufweist. Und wo wieder ein realer Wettbewerb unter den Technikern und Konstrukteuren gegeben ist. Das muß gar nicht bedeuten, daß deswegen die Rennwagen in der Praxis weniger gleichwertig sind und die Rennen langweiliger sind als heute. Schließlich war die F1-Saison 1982, wo es außerordentlich viele unterschiedliche Motorenkonzepte gab, eine der spannendsten in der Geschichte. Sicherlich auch aufgrund einiger unliebsamer Dramen, aber auch wenn man das berücksichtigt, war dieses Jahr sportlich ausgesprochen ausgeglichen.

Aufklärungsarbeit halte ich da für sehr wichtig. Jetzt diskutieren wir noch im kleinen Rahmen in einem Motorsportforum, aber wenn das Interesse ausreichend steigt, greifen vielleicht auch (wieder) größere Medien das Thema auf. Und irgendwann, wenn der öffentliche Druck stärker wird, werden vielleicht auch die Fahrzeug-Hersteller und letzten Endes auch die FIA einsehen, daß man in der Rennwelt technologischen Fortschritt überzeugender verkauft und darstellt, wenn auch wirklich konsequent in alle Richtungen geforscht wird. Und der Rennsport offen ist für Kreationen jeglicher Art. Die Praxis zeigt ohnehin, welche Konzepte am ehesten tauglich sind. Wenn der Kreiskolbenmotor prinzipiell zu viele Nachteile hat, dann wird er immer ein Statistendasein fristen. Wenn er überhaupt eingesetzt wird. Bei den Rennen wie in der Serienproduktion. Aber wenn sich ein findiges Konstrukteursteam findet, dem es gelingt, die Vorteile stärker zu nützen und die Nachteile zurückzudrängen, dann ist das der Beweis, daß auch diese Bauform ihre Berechtigung hat. Und so ist es bei allen anderen Konzeptionen auch.

Kann sein, daß am Ende doch wieder der gute alte Viertakt-Hubkolbenmotor alle anderen Motorenformen aussticht. Vielleicht in einer etwas optimierteren Form als derzeit noch. Aber schaden kann es sicher nicht, wenn bei den Konstrukteuren der Ehrgeiz geweckt wird, nach möglichst effizienten Motoren zu forschen. In Zeiten der steigenden Klima-Bedenken und steigender Rohstoffpreise (Angebot-Nachfrage-Verhältnis...) wäre das sowieso das Naheliegendste. Um nicht zu sagen: Es ist ein Gebot, dessen Folgeleistung längst überfällig ist.
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Re: Motorsport als (Umwelt-)Pionier

Beitrag von Erich » Sa Dez 21, 2019 11:08

Sportpolitisch umsetzen?
Ganz nüchtern betrachtet ist der Zug längst abgefahren. Zumindest hier in Absurdistan.
Hier wird nicht nur unsere Schlüsselwirtschaft , nämlich die Automobilindustrie mit Vorsatz vernichtet, sondern auch als unausweichliche Folge parallel dazu der Motorsport. Hat VW nicht grade seine Aktivitäten weitgehend eingestellt? Die anderen werden folgen.
Ich gehe davon aus, dass der Motorsport in absehbarer Zeit verboten wird (direkt oder über Umwege, das sehen wir dann schon). Warum? Weil erklärte Autofeinde hier mittlerweile das Sagen haben und man nicht einmal mehr darüber diskutieren darf. („Wenn du wissen willst, wer dich beherrscht, dann finde heraus, wen du nicht kritisieren darfst!“)
Da hilft es auch nicht viel weiter, durch Sponsoring und Unterstützung neue Talente zu finden und zu begeistern.
Medien als Unterstützer? Guter Witz! Die Medien puschen eine neue Sekte und Ideologie, die ganz andere Ziele haben. Welche, das sieht und hört man jeden Tag, da kann sich jeder seine eigene Meinung machen.
Aufklärungsarbeit ist wichtig, da stimme ich dir zu. Es scheitert aber daran, dass man dazu nicht mehr frei seine Meinung sagen darf und kritisieren darf man erst recht nicht, siehe oben. Argumente helfen da auch nicht, denn die Feinde des Motorsports haben keine (echten, nachprüfbare) Argumente. Sie wollen auch keine Argumente, sie brauchen auch keine Argumente, denn sie wollen nicht diskutieren, sie wollen diktieren.
Ich bin jetzt im Rentenalter und schaue mir das ganze nur noch an, treibe aktiv Motorsport, so lange es noch möglich ist, unterstütze und sponsore wie bisher auch weiterhin einige Talente. Ansonsten sehe ich zu, dass ich mein Schäfchen rechtzeitig ins Trockene bekomme, so dass ich mich in Ruhe in den Sessel setzen kann und denjenigen zuschauen kann, die uns das alles eingebrockt haben.
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Re: Motorsport als (Umwelt-)Pionier

Beitrag von Andi Lugauer » Sa Dez 21, 2019 21:22

Hallo, Erich.

Erwähnte ich schon, daß ich von Deiner Aufrichtigkeit sehr beeindruckt bin? Falls nicht, tue ich es jetzt. :-D Hast wohl sehr viel einschlägige Lebenserfahrung gemacht. :roll:

Wollen wir nicht hoffen, daß der Zug bereits "abgefahren" ist. Auch vor mehr als einem Vierteljahrhundert war die Stimmung nicht nur gut, hinsichtlich Umwelt-Bedenken und so weiter. Damals wurde oft schon gesprochen, es wäre nicht Fünf vor Zwölf, sondern Zehn nach Eins, oder so. Und doch: Ich und viele Andere, die zu der Zeit schon ein schlechtes Gefühl hatten, leben immer noch...

...und der Motorsport lebt auch noch. Mehr oder minder versehrt zwar, aber er lebt. :P

Natürlich ist in vielen Bereichen die Lage ernst, Manches hat sich sogar massiv verschlechtert. Aber wir wollen weiterkommen. Zweckoptimismus oder nicht: Wenn wir nur Alles schlechtreden und nicht nach Chancen suchen, um diese zu nützen, haben wir schon verloren.

Was die oftmals nur auf dem Papier existierende Meinungsfreiheit betrifft, da muß man Dir natürlich tausendmal recht geben. Noch dazu sind nicht nur die offiziellen Feinde des Motorsports vielfach resistent gegen Argumente, man hat auch oft das Gefühl, daß die Seuche bei den Leuten in den eigenen Reihen heftig wütet. Das beginnt schon bei diversen Forumsdiskussionen, die oft gar keine Diskussionen sind. Weil festgefahrene Standpunkte über weltoffenes Denken obsiegen. Scheuklappen vs. klarer, freier Blick in alle Richtungen. Administratoren, die sich auf die falsche Seite schlagen, tun ihr Übriges. Das nur nebenbei. Es gibt da nur ein wirksames Gegenmittel: Die Idealisten der Branche müssen Solidarität zeigen. Und zwar konsequent. Ich will keine Feindbilder kreieren, will nicht einfältig die ganze Menschheit in gut und schlecht unterteilen. Aber es ist in nahezu allen Lebensbereichen zu beobachten, daß der erkennbar Klügere viel zu oft nachgibt und dem Diktat der Dummheit damit Tür und Tor geöffnet ist. Das muß sich einmal aufhören, daran wird nichts vorbeiführen. Wie gesagt: Auf den Zusammenhalt der Idealisten kommt es an.

Es muß sich wieder lohnen, ehrlich zu agieren und sich für gute Ziele einzusetzen. Aber da ist Jeder gefordert. Jeder Vernünftige zumindest. Denn daß ein Unvernünftiger seine Haltung ändert, ist relativ selten. Wenn genug Menschen das Richtige tun, wird sich das Ergebnis bessern, ganz von alleine.

Jemand, der auch Erich geheißen hat, hat gesagt: Schuld am Unfug sind nicht nur die, die ihn begehen, sondern auch die, die ihn nicht verhindern. Dem ist nichts hinzuzufügen.
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Re: Motorsport als (Umwelt-)Pionier

Beitrag von Vinki » So Dez 22, 2019 08:33

Da China das E-Auto abschafft wird der Verbrenner weiter leben. Das EAuto wird dank der EU Abgasfingsbums Richtlinie nur als Quotenfüller Dienen damit wir weiter 150 bis 800 PS Verbrenner fahren können.

Die Automobilindustrie verspricht seit Jahren bzw. seit Jahrzehnten 2 Dinge:
Flottenverbrauchsenkung
2L Auto

Dazu noch Abgasskandal und da kann es ja keinen wundern dass jetzt reagiert wurde.

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Erich
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Re: Motorsport als (Umwelt-)Pionier

Beitrag von Erich » So Dez 22, 2019 09:49

Man könnte über dieses Thema monatelang diskutieren, wenn Diskussionen über dieses Thema zulässig wären. Aber in kürzester Zeit wird dann das passieren, was dann immer passiert: diejenigen, die diktieren wollen und auch mittlerweile diktieren werden darauf aufmerksam und dann geht es nur noch mit Hass und Hetze weiter, bis diejenigen, die Argumente bringen, in Grund und Boden gebrüllt werden. Dazu ist das Forum nicht da und auch zu schade und deshalb werde ich dazu auch nichts mehr sagen.

@ Andi: ich kenne weder das Zitat noch denjenigen, der es gebracht hat. Es trifft aber voll ins Schwarze.
Ich orientiere mich an einem Zitat, dessen Urheber jeder halbwegs gebildete Mensch kennt:

„Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: durch Nachdenken ist der edelste, durch Nachahmen der einfachste, durch Erfahrung der bitterste“

Konfuzius

Das meinte ich mit “ in den Sessel setzen und zusehen...“
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Re: Motorsport als (Umwelt-)Pionier

Beitrag von EWO » Di Dez 24, 2019 17:35

Auch wenn man die Methodik in Zweifel ziehen kann oder auch zerreden, der Ansatz vor 30 Jahren war schon mal da...
https://youtu.be/35DFY7EDbx8

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Eric W.
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Re: Motorsport als (Umwelt-)Pionier

Beitrag von Eric W. » Di Dez 24, 2019 19:12

Das wurde bestimmt von den gleichen Mächten verhindert, die Erich in seiner Meinungsäußerung beschneiden. Ach.. Moment.. Tust du ja trotzdem.

Um aus den aktuellen News so wie du, Vinki herauszulesen, dass in China eine dauerhafte Abkehr von der Elektromobilität mit Rückwendung zum Verbrenner bevorstünde, muss man die schon *sehr* selektiv lesen.

Emotional hänge ich genauso am Verbrenner wir ihr alle. Aber außer ein Paar Petrolheads wird das in Zukunft niemanden mehr interessieren.

Das Signal von VW sollte ein dringender Weckruf für den DMSB sein, mal etwas zukunftsweisend über Reglements und Klassen nachzudenken!

opelspeedster
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Re: Motorsport als (Umwelt-)Pionier

Beitrag von opelspeedster » Do Dez 26, 2019 16:55

Hier das erste Suchergebnis nach dem Titel des Youtube Videos.

https://www.mdr.de/wissen/der-sparsamst ... n-100.html

Leider scheint die ganze Diskussion extrem vergiftet. Ich lesen Hass, Hetze, Diskreditierung. Ist mir zu einfach.

Andi Lugauer
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Re: Motorsport als (Umwelt-)Pionier

Beitrag von Andi Lugauer » Mo Dez 30, 2019 21:04

Eric W. hat geschrieben:
Di Dez 24, 2019 19:12
Emotional hänge ich genauso am Verbrenner wir ihr alle. Aber außer ein Paar Petrolheads wird das in Zukunft niemanden mehr interessieren.
Ganz ohne Haß, Hetze und Diskreditierung: Ich wäre da nicht so vorschnell. Ob die Elektro-Mobilität im großen Rahmen eine Chance hat, wird sich erst weisen. Abgesehen von der Alltagstauglichkeit, die - wenn man extremen Kurzstrecken-Verkehr außer Acht läßt - mehr als zweifelhaft ist, bleiben da noch solche Dinge wie die Herstellung und das Recycling der Stromspeicher und die Gewährleistung der ausreichenden Stromversorgung. Und nicht zuletzt der Sicherheitsaspekt bei einem Unglücksfall mit einem E-Auto.

Es ist längst noch nicht so weit, daß es nicht (auch) Sinn machen würde, den Weg sparsamerer Verbrennungsmotoren zu forcieren. Den größten Anreiz dafür bietet nun einmal der Spitzen-Motorsport. Soll daneben ruhig auch auf dem Elektro-Sektor weitergeforscht werden.
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Re: Motorsport als (Umwelt-)Pionier

Beitrag von PumaTreter » Mo Dez 30, 2019 22:14

Die Alltagstauglichkeit von E-Fahrzeugen hängt vom Alltag ab. Hier gleich den Sprung gleichauf mit Verbrennern machen zu wollen, führt nicht zum Ziel. Den Kampf gegen eine 100 Jahre erprobte und verfeinerte Technologie muss eine neue Technologie verlieren. Das bedeutet aber nicht, dass eine neue Technologie nicht besser sein kann, als eine bestehende (was besser heißt, wäre zu definieren...).

Man stelle sich vor: Wenn alleine die Pendler, die pro Weg bis max. 50km zurücklegen ein E-Auto nehmen könnten und würden (mit Ökostrom gespeist), wäre die Diskussion auf einer ganz anderen Ebene. Die Technologie für 100km ohne nachladen ist heute schon da. Für die lange Urlaubsfahrt dann einen Verbrenner mieten (oder haben) und gut ist für's erste. Dann die Energiespeichertechnik weiter entwickeln. Sei es Wasserstoff oder Batterie. Über 10 Jahre kann auch die schlechte Umweltbilanz von Batterien getragen werden. Übrigens ist die Gesamtbilanz für Wasserstoff und E-Auto mit regenerativ gewonnenem Strom in der Gesamtbilanz (Well to tank und Tank to Wheel) am besten. Dabei berücksichtigt sind ebenfalls die Recyclingemmissionen der Speicher und die Energieproduktion (Quelle: https://www.adac.de/verkehr/tanken-kraf ... imabilanz/)

Die Zukunft des Motorsports wird mit neuen Antrieben zurecht kommen müssen. Alleine deswegen, weil sonst bald die Autos von der Straße keinen Weg mehr in den Sport finden werden. Wie ich bereits orakelte, nimmt der Anteil an Hybridfahrzeugen konsquent zu. Unanhängig von deren Umweltbilanz. Es passiert. Können wir machen, was wir wollen. In der WEC wurden in der LMP1 Hybriden eingesetzt, die in Le Mans bei 220km/h Schnitt einen Verbrauch von 30l Diesel hatten. Das ist total irre verglichen mit nicht Hybriden Rennern (50-60l auf 100km, selbst mein Puma mit Serienmotor nahm sich 35l). Aber erzähl das mal einem nicht Motorsportler, der denkt, du bist verrückt - 30l sind halt (doch noch) viel.

Ich glaube, wir müssen Schritt für Schritt gehen, der Motorsport muss mit der Entwicklung auf der Straße tanzen, ohne dass man sich auf die Füße tritt. Und wir Motorsportler müssen verstehen, dass die Straße im Tanz führt. Dann können wir entsprechend reagieren, ja sogar agieren. Wenn wir dem Verbrenner nachweinen würden und ihn im Sport bevorzugen, wird sich das irgendwann rächen, weil wir keine guten Reglements für die Hybriden haben werden. Ein gutes Reglement braucht Zeit...

Aus meiner Sicht heißt das: Reglements schaffen, um die Technologie von heute und die der nächsten Jahre (vorwiegend Hybride Neufahrzeuge, später zunehmend rein elektobetriebene Fahrzeuge) in den Sport zu integrieren. In allen Sparten. Auch in der Rallye... Sicherheitstanks für Benzin sind auch erst nach diversen Unfällen mit schwer verletzten und Toten erfunden worden. Nun geht es um sichere Wasserstofftanks und Möglichkeiten E-Autos im Crashfall sicher und stromlos zu bekommen. Hier kann der Sport zeigen, wie es gehen kann... Wenn wir nicht zu lange an den alten Zöpfen festhalten.

Sorry, der Text ist länger geworden, als ich dachte...

Viele Grüße
Achim
- Wer schnell sein will, muss richtig bremsen -

Alles ist Motorsport: https://www.youtube.com/watch?v=YUQG5zKHLBE

Andi Lugauer
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Re: Motorsport als (Umwelt-)Pionier

Beitrag von Andi Lugauer » Mo Dez 30, 2019 23:34

PumaTreter hat geschrieben:
Mo Dez 30, 2019 22:14
Sorry, der Text ist länger geworden, als ich dachte...
Das ist das Wenigste, was mich stört. :wink:

Deinen Angaben entnehme ich, daß Du sehr stark vom Sieg des Elektro-Antriebes auf breitester Ebene überzeugt bist. So weit auch nichts Schlechtes.

Trotzdem will ich ein paar Dinge hinterfragen: Da wäre die Sache der Le Mans-Autos mit und ohne Hybridantrieb. Von einem Ersparnis bis zu 30 Litern Diesel ist da die Rede. Da würde mich halt interessieren: In welchen Intervallen wird der Akkumulator ausgetauscht bzw. frisch geladen (ob mit einem Benzin- oder Diesel-betriebenen Generator, das will ich einmal bewußt außer acht lassen)? Ob die Energie, die den geringeren Spritverbrauch bewirkt, überwiegend von der Rekuperation beim Bremsen kommt, das kann ich mir nicht gaaaanz vorstellen... :roll: :mrgreen:

Ungewiß ist auch, ob künftig die Elektroautos, speziell wenn sie so gut sein sollen, daß sie technisch mit Benzin- oder Dieselautos erfolgreich konkurrieren sollen, kostengünstig genug produziert werden können, daß sie auch auf dem Markt gute Chancen haben. Speziell in Zeiten, wo das Geld beim Durchschnittsbürger immer weniger locker sitzt. Vor Allem, wenn man nicht weiß, wie lange speziell die Haltbarkeit des teuren Stromspeichers zu berechnen ist.

Ich bleibe dabei: Am Elektroantrieb forschen - von mir aus gerne. Aber parallel dazu an verbrauchsgünstigeren Verbrennungsmotoren forschen macht mindestens genau so viel Sinn. Das hat nichts mit Sentimentalität oder Festhalten an alten Zöpfen zu tun. Wir wissen schlicht und einfach nicht, ob und nach wie langer Zeit der Elektroantrieb beim Auto ein ernstzunehmendes Thema sein wird. Das muß erst die praktische Entwicklung zeigen.

Und mit den Kapazitäten in geistiger und technologischer Hinsicht, die aufgewendet werden, um das Elektroauto einigermaßen effizient und User-freundlich zu machen, kämen wir vielleicht tatsächlich zu einem Auto mit einem Verbrauch von 1,8 Litern je 100 Kilometer...
Den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen ist nicht zielführend. Denn der führt nach Unten.

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