Rallyewagen und Wertungsklassen: Gleichwertigkeit kontra Gleichgültigkeit

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Andi Lugauer
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Rallyewagen und Wertungsklassen: Gleichwertigkeit kontra Gleichgültigkeit

Beitrag von Andi Lugauer »

Kürzlich wurde in einem Medium das Thema Klassen-Einteilungen von Rallyewagen angesprochen. Daß in einzelnen Kategorien Fahrzeuge aufeinander treffen würden, die in ihrer PS-Leistung und hinsichtlich anderer maßgeblicher Faktoren völlig unterschiedlich wären und daß sich daraus kein fairer Wettbewerb ergeben würde. Auch die Zusammenlegungen bestimmter Klassen würden sich da nachteilig auswirken.

Eine grundsätzliche Einschätzung meinerseits: Das absolut perfekte System, um einen hundertprozentig gerechten Wettbewerb zu schaffen, der ausschließlich dem fahrerischen Einsatz Rechnung trägt, wird es nie geben. Das ergibt sich alleine schon aus der Tatsache, daß es bei einer Rallye ab einer bestimmten Startnummer regnen kann, und die davor hatten eine trockene Fahrbahn, wo man natürlich ein schnelleres Tempo fahren kann. Gut, mit der Möglichkeit von „höherer Gewalt“ oder „höherem Pech“ muß man leben.

Aber es ist natürlich so, daß es bei den Rallye-Fahrzeugen unterschiedliche Gestaltungsformen gibt: Hinsichtlich Hubraum, Turbo ja/nein, Vierradantrieb ja/nein, unterschiedlichen Tuningformen/Umrüstungen (Motor, Getriebe, Fahrwerk, Bremsen…) und verschiedenen Baujahren. Na klar: Vor 40, 50 Jahren war der technische Standard in allen Bereichen ein anderer als heute. Wenn man vielleicht außer Acht läßt, daß früher die Autos generell leichter und daher möglicherweise in dem einen oder anderen Belang agiler waren...(aber das gleicht der generelle Fortschritt bekanntlich aus)

Das macht es sinnvoll und eigentlich sogar nötig, daß man unterschiedliche Wertungen für unterschiedliche Wagen führt. Auch wenn die alle die gleiche Strecke fahren. Weil es ist logisch: Mit einem 1300er-Suzuki oder einem Original-Volvo, die jeweils bis auf die sicherheitstechnisch nötigen Umbauten ident mit dem Modell sind, wie es vom Band gelaufen ist, wird keiner einen R5-Skoda oder ein WRC jagen können, wenn dessen Pilot nicht gerade total außer Form ist. Wie im Endeffekt die Zuordnungen und Abstufungen gestaltet und definiert sein sollen, und wie viele davon es geben soll, darüber scheiden sich durchaus die Geister.

Meine Meinung ist die (und ich erhebe keinesfalls den Anspruch, daß die der letzte Stein der Weisheit sein muß): Es sollte bei einer Rallye ungefähr zwischen sechs und acht unterschiedliche Einzel-Wertungen geben. Plus die Wertung für die höchste Division. Und da punktet aber Jeder, der eine bestimmte Gesamt-Platzierung erreicht. Egal mit welchem Auto.

Mein Gedanke wäre auch der, daß es nur dort, wo es eine Jahreswertung gibt (wie gesagt: etwa zwischen sieben und neun Wertungen), auch Pokale bei den einzelnen Rallyes zu verteilen gäbe. Auf diese Weise sollten die Sportler dazu animiert werden, öfter zu fahren. Und an ihrer sportlichen Performance zu feilen. Am besten dadurch, daß sie den Wettbewerb von einer „kleinsten“, kostengünstigsten Klasse weg von der Pike auf lernen. Und sich danach, wenn entsprechende Erfolge und Unterstützungsmöglichkeiten gegeben sind, Stufe für Stufe hocharbeiten. Oder bei besonders viel Talent und besonders großzügigen Sponsoren auch eine oder mehrere Stufen überspringen…(muß man sowieso, wenn man hoch hinaus will und nicht erst als Methusalem in der WM ankommen will).

Auf jeden Fall wäre es mir wichtig, daß in den einzelnen Wertungskategorien möglichst gleichwertige Wagen zusammengefaßt sind. Vor Allem in den untersten Stufen. Und daß die jeweiligen Abstufungen von einer Kategorie zur anderen vor Allem vom Kostenlevel relativ konstant und nicht zu hoch sind. Denn dann ist ein Aufstieg eher möglich.

Kurz gesagt: Ich habe lieber sechs Wertungs-Divisionen, in denen jeweils zwischen zehn und fünfzehn Teilnehmer mit Elan um jeden Platz kämpfen, als zwanzig unterschiedliche Kategorien mit nur zwei, drei Startern, die separat gewertet werden. Und wo Jeder schon sicher seinen Siegespreis hat, wenn er nur durchfährt. Das ist wettbewerbstechnisch eher kontraproduktiv. Meine Erfahrung hat das immer wieder gezeigt.

Es soll zwar (wo möglich) ein Gleichwertigkeitsbewerb sein. Aber kein Gleichgültigkeitsbewerb. :wink:
Den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen ist nicht zielführend. Denn der führt nach Unten.
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